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Nichts wird mehr sein, wie es war

Diözesanversammlung befasst sich mit dem Thema Kirche und Corona
Nichts wird mehr sein, wie es war
Nichts wird mehr sein, wie es war
Die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Kirche im Bistum Limburg waren zentrales Thema der Frühjahrsversammlung der Diözesanversammlung. © Pixabay

Die Menschen müssen spüren, dass sie sich auch in der aktuellen Corona-Krise auf die Kirche verlassen können. Davon ist der Journalist und Theologe Joachim Frank überzeugt. Der Chefkorrespondent des Kölner Stadtanzeigers und Vorsitzender der Gesellschaft katholischer Publizisten war Impulsgeber auf der digitalen Frühjahrssitzung der Diözesanversammlung (DV) des Bistums Limburg. Intensiv setzten sich die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger dabei mit der Situation, der Rolle und der Aufgabe der Kirche in der Pandemie auseinander. Weitere Themen waren das Lieferkettengesetz sowie das Nicht-Zustande-Kommen eines einheitlichen „Tarifvertrages Pflege“.

„Die Kirche hat sich gut geschlagen und steht nicht schlecht da“, sagte Joachim Frank. Der Beginn der Pandemie und der erste Lockdown mit dem Verbot öffentlich, gemeinschaftlich Gottesdienste zu feiern, habe viele in der Kirche geschockt und zu einer Phase geführt, die Frank als „Systemstörung und liturgisches Reset“ bezeichnete. In dieser Phase habe es ein einseitiges, aber nicht ganz unberechtigtes „Kirchenbashing“ gegeben. „Die Kirche hat in dieser Phase die Anwaltschaft für die Einsamen und die Sterbenden nicht wahrgenommen. Menschen sind ohne Begleitung und Sakramente gestorben. Das ist zurecht zu kritisieren“, so Frank. Stattdessen habe es viele Versuche des „Retrokatholizismus“ mit einsamen Fronleichnamsprozessionen, Weihen ganzer Diözesen an Maria oder gestreamte Eucharistiefeiern eines einzelnen Priesters gegeben. Bischöfe und kirchliche Vertreter seien wenig präsent gewesen. Dabei sei zeitlich viel in den Pfarreien und Gemeinden passiert. Nicht wenige Christinnen und Christen hätten sich diakonisch, karitativ engagiert und Hilfenetzwerke aufgebaut.  

Heilsrelevanz wichtiger als Systemrelevanz

Nach der ersten habe dann die Phase der „Selbstvergewisserung und des neuen Handelns“ begonnen. Man habe erkannt, dass sich in der Pandemie zeigt, was den Menschen wichtig ist. Es zeige sich, wer Lebensressourcen anzubieten hat und diese einbringt. In dieser Phase seien Reformkräfte freigesetzt worden und es musste sich zeigen, ob die Kirche glaubwürdig ist und an der Seite der Menschen steht. Da sei viel geschehen. Zu loben sei auch die theologische Vergewisserung, die in dieser Phase begonnen habe. Viele hätten angefangen nach Antworten zu suchen, die der Glaube in Zeiten der Krise geben könne. Diese Ausrichtung nach oben sei wichtig und mache deutlich, dass die Kirche heilsrelevant ist und Gott Heil und Trost spende. Diese Perspektive sei viel bedeutender für die Kirche als die Systemrelevanz.  

Diese Vergewisserung und Suche nach Antworten aus dem Glauben sei noch nicht abgeschlossen. „Wir stecken noch mitten in der Krise. Es ist noch viel zu früh, um aus der Krise zu lernen und das Erlebte zu bewerten“, sagte Joachim Frank. Dennoch stehe jetzt schon fest, dass die Krise verändere und vieles einfach nicht mehr so sein wird, wie vor Corona. Die Zahl der Kirchenbesuche werde genauso anders sein, wie die Kirchenbindung. Die Pandemie werde finanzielle Folgen für die Kirche haben und ihre gesellschaftliche Relevanz werde weiter zurückgehen. „Wir stehen an einem Wendepunkt. Der Ausgang ist offen“, so Frank. 

Perspektiven für kirchliches Handeln in der Pandemie

Nach dem Impuls nutzten die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger die Möglichkeit, sich in Kleingruppen zum Thema auszutauschen und Perspektiven für das kirchliche Handeln in Pandemiezeiten zu entwickeln. Seelsorgerinnen und Seelsorger sollen aus Sicht der DV stützende Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner für Alte, Kranke, Einsame sein. Es gelte Besuchsmöglichkeiten in Alten, Wohn und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern weiter zu etablieren, um soziale Isolation zu verhindern. Pandemien dürften kein Grund dafür sein, dass Menschen ohne Begleitung sterben müssten. Selbstverständlich müssten auch Kinder und Jugendliche in den Blick genommen werden, die durch die Pandemie besonders herausgefordert und deren Alltag komplett anders strukturiert sei. Es sei daher wichtig, dass kreative Ideen entwickelt werden, um im Sommer Kinder- und Jugendfreizeiten realisieren zu können. Die Kirche sollte, so die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, auch mithelfen, dass die soziale Schere zwischen arm und reich nicht noch mehr auseinanderklaffe. Es sei daher sinnvoll, dass die Kirche Branchen unterstütze, die besonders unter der Pandemie leiden. Daher sei es zu begrüßen, dass Kirchen und Gemeinderäume von Künstlerinnen und Künstler für musikalische Aktivitäten zur Verfügung gestellt und sie in Liturgien gegen Vergütung eingebunden werden. 

Einsatz für allgemeinverbindlichen Tarifvertrag Pflege

Neben Corona hat sich die DV auch mit dem Lieferkettengesetz befasst. Sie begrüßt den Regierungsentwurf und sieht darin einen ersten wichtigen Schritt, dem allerdings weitere folgen müssen. „Nur unter Einbezug einer zivilrechtlichen Haftungsregelung und von Umweltstandards kann es seine beabsichtigte Wirkung einer vollumfänglichen Sorgfaltspflicht gegenüber drohenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden enthalten“, heißt es dazu im Beschluss der DV. 

Bestürzt äußerte sich die gewählte Vertretung der Katholikinnen und Katholiken im Bistum Limburg jedoch über das Nicht-Zustande-Kommen eines allgemeinverbindlichen „Tarifvertrag Pflege“. Hintergrund ist, dass die unabhängige arbeitsrechtliche Kommission der Caritas auf Bundesebene dem Entwurf des Vertrages nicht zustimmen konnte, da sich die Vergütung für die Beschäftigten in der Pflege damit verschlechtern würde. Die betriebliche Altersversorgung sei in dem Entwurf nicht geregelt und es fehle eine Regelung für passgenaue Arbeitszeitmodelle und Überstundenzuschlägen. 

Die DV unterstützt deshalb die Forderungen der christlichen Arbeitgeber den allgemeinverbindlichen Tarifvertrag nachzubessern: Mindestlöhne und Urlaubsansprüche für Pflegefach- und Hilfskräfte sollten nach oben angepasst werden. Eine betriebliche Altersversorge müsse verbindlich festgeschrieben und passgenaue Arbeitszeitmodelle zugesichert werden. In den Tarifvertrag müsse die Regelung von Überstundenzuschlägen aufgenommen und die Zulassung von Pflegeeinrichtungen an eine Tarifbindung gekoppelt werden. „Ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag Pflege muss für eine humane, professionelle, wertschätzende und soziale Ausgestaltung von Arbeitsverhältnissen stehen. Deshalb erwartet die DV eine baldige Wiederaufnahme von Gesprächen mit einem für die Beschäftigten positiven Ergebnis“, so die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger.

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